Hausunterricht (Homeschooling) in Deutschland

Christian Böttgenbach, März 2020


Eigentlich Schulpflicht, tatsächlich aber Schulzwang

Bild Kreidetafel Bei uns gibt es das laut der Bielefelder Graf-Studie erst seit 1938 und darüber hinaus sonst weltweit kaum noch. Wenn wir die Erfahrungen und Studien zu Hausunterricht oder dem kompletten Verzicht auf Unterricht (unschooling) berücksichtigen, erscheint der Verzicht auf klassischen Schulunterricht für die Bildung und Entwicklung unserer Kinder uneingeschränkt vorteilhaft.

Ein Beispiel: In den 80er Jahren wurde in England das Experiment gemacht, Schulkinder einer 8. Klasse gemeinsam mit unbeschulten gleichen Alters zu unterrichten. Das Experiment musste abgebrochen werden, weil die unbeschulten Kinder den Achtklässlern in jeder Weise weit überlegen waren.

Seien wir uns bewusst, dass eine staatlich bevormundete Erziehung nicht der Bildung und Entwicklung der Kinder dient, sondern der Unterordnung unter bestehende Normen. Wir stellen damit die Vergangenheit über die Zukunft der jungen Menschen.

Mit den aktuellen Entscheidungen, Schulen zu schließen, eröffnet sich uns eine unerwartete Chance, ein neuer Freiraum. Hier Ideen aus meiner Erfahrung zur Gestaltung schulbefreiter Zeiten:

1x1 für modernen Hausunterricht (Homeschooling)


Ihr seid die Eltern. Eure Kinder kamen in dem Vertrauen zu Euch, richtig ins Leben geführt zu werden. Auch wenn Autoritäten Euch etwas anderes weismachen wollen: Jeder kann seine Kinder in bedingungsloser Liebe begleiten und führen und ihnen mit seiner eigenen Entwicklung das bestmögliche Vorbild sein.

Erspart den Kindern Eure Werte

„Kinder sind keine Fässer, die gefüllt, sondern Feuer, die entfacht werden wollen“ (François Rabelais). Was immer Euch wichtig ist, stört die Entfaltung der individuellen Qualitäten Eurer Kinder. Sie erkennen auch ohne Worte oder Maßregelungen Eure Absicht.

Findet den richtigen Zeitpunkt

Dann geht Lernen mühelos und blitzschnell. Als ich im Rahmen des Hausunterrichtes eine meiner Töchter fragte, ob sie lesen lernen wolle, hatte sie kein Interesse. Einige Zeit später sah meine Frau, wie Töchterchen Einkaufszettel entziffern wollte. Ich fragte wieder, ob sie lesen lernen wolle und diesmal bekam ich ein Ja. Nach einer Woche, mit höchstens 1,5 Stunden Unterricht täglich, konnte sie es.
Neue Beziehungskultur

Weckt die Begeisterung Eurer Kinder

Vor allem: Zerstört nicht ihre natürliche Begeisterung. Man sagt, vor der Schule seien 98% aller Kinder hochbegabte Genies, nach der Schulzeit noch 2%. Ich empfehle zur Vertiefung diese beiden nebenstehenden Videos von Prof. Gerald Hüther, der sich als Gehirnforscher intensiv mit dem Lernen befasste und entdeckte, dass jeder echte Lernerfolg in direktem Zusammenhang mit emotionaler Verbundenheit (Freude) steht.

Freude am Leben

Verbindet Lernen mit Bewegung

Je mehr der ganze Mensch mit einbezogen ist und je häufiger wiederholt wird, desto tiefer und dauerhafter wird eine Erfahrung verankert. Meist ist Lernen ein bewusstwerdungsprozess für Wissen und Fähigkeiten, die verborgen in jedem Menschen vorhanden sind.

Selbständige Lernfähigkeit ist das oberste Ziel jeden Unterrichts

Damit ist nicht gemeint, dass Kinder in demokratischer Weise über den Unterricht bestimmen sollen, sondern dass in gegenseitigem Vertrauen die aktuell anliegenden Themen gemeinsam erarbeitet werden: „Gib einem Mann einen Fisch und Du ernährst ihn einen Tag. Bring ihm bei zu fischen und Du ernährst ihn für sein Leben“ (Konfuzius). Bedeutend ist also nicht die Anhäufung Eures Wissens bei den Kindern, sondern das Erüben selbständigen Lernens aus Interesse.

Lernt von Euren Kindern

Es ist nicht wichtig, was Ihr wisst oder könnt, sondern dass Ihr authentisch seid. Als Lehrer lernt Ihr selbst am meisten. Jede scheinbare Unvollkommenheit gleichen Kinder mittels selbständiger Lernfähigkeit aus.
Neue Medien beschränken Lernfähigkeit

Nach Möglichkeit lasst die Finger weg von neuen Medien

Deren zerstörerische Wirkung findet sich klar beschrieben und bewiesen in Vorträgen wie diesem hier von Prof. Manfred Spitzer, ebenfalls einem Gehirnforscher.

Keine zu frühe intellektuelle Beanspruchung der Kinder

Zwar gilt: „Wer verfrüht, hat Erfolg“, aber zu welchem Preis? Wenn vor der Pubertät die Kräfte für die Entwicklung von Leib und Seele zugunsten geistiger Entwicklung abgezogen werden, lassen sich die Versäumnisse in späterem Lebensalter schwer ausgleichen.

Geht in die Natur!

Auf jedem Niveau, vom Kindergarten bis ins hohe Alter, ist die Natur nicht nur Ort für Entspannung und Freude, sondern auch Lehrmeister. Soweit derzeit möglich, lege ich Euch auch den Besuch von Parks, Bergwerken oder Museen wie Schloss Freudenberg in Wiesbaden ans Herz.

Also fasst Mut und fangt einfach an.

Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Gründe.



Weiterführende Informationen findet Ihr unter anderem hier: Bundesverband für natürliches Lernen